Herrn Ball besuche heute zum sechsten Mal allerdings bin ich zum ersten Mal in der neuen Wohnung angekommen. Ich parke und gehe nur ein paar Schritte bis zu Haustür, diese ist überdacht, falls es mal regnen sollte.
Dann klingel ich und höre die Stimme von Frau Ball durch die Sprechanlage. „Wer ist da?“
Als sie meine Stimme hört geht der Türsummer und wenige Augenblicke später, stehe ich dem Ehepaar gegenüber in einem hellen, sonnendurchfluteten Wohnzimmer. Stolz präsentiert mir Frau B die Wohnung. Alles ist ebenerdig und altersgerecht ausgestattet. Ich gebe mich beeindruckt und freue mich für die zwei.
Ich mag sie von Herzen gerne, gehe schon eine Weile mit ihnen und freue mich immer auf die Besuche.
Aber heute hat sich der gesundheitliche Zustand von Herrn B verschlechtert. Innerlich bin ich erschrocken, lasse es mir nicht anmerken.
„Es geht in schnellen Schritten,“ so berichtet mir die Ehefrau. Eigentlich konnte er seine Arme und Hände noch gut bewegen ganz im Gegenteil zu seinen Beinen aber seit kurzem hat sich die Feinmotorik verschlechtert. Sein Brot zu schmieren, Zähne putzen sind Aufgaben die Frau B zusätzlich übernimmt. Weiter berichtet sie von ihren alltäglichen Abläufen und der Arbeit die sie Tag für Tag verrichtet.
Sie liebt ihren Mann so sehr und sie kämpft für ihn, das imponiert mir. Ich sage ihr wie gut sie das macht. Einfach kopfüber in die Pflege gestürzt worden, so hatte sie sich den Ruhestand nicht vorgestellt. Sie hilft nicht nur indem sie ihren Mann pflegt und Arzttermine organisiert, so berichtet sie, dass das Schlimmste die ständige Diskusion mit der Pflegekasse sei. Die Kasse lehnt dringend benötigte Hilfsmittel ab und Frau B ist darüber fassungslos, natürlich legt sie Widerspruch ein. Frau B berichtet wie mühsam es ist und wie ermüdend und dabei braucht sie ihre Energie und Kraft für ihren Mann.
Dieser sitzt da und hört uns zu, er kommentiert die Erzählungen seiner Frau, möchte ihr gerne helfen, möchte gerne mehr können, will nicht das sie gegen Windmühlen ankämpfen muss und trotz allem ist er froh und dankbar. Dankbar für ihre Liebe auch in schweren Zeiten.
Als ich ihn kennengelernt hatte, da saß er in seinem Sessel und damals hatte ein Scherz den nächsten gejagt. Humor ist eine Art mit dem fertig zu werden, was man nicht ändern kann. Und Herr B hatte viel Humor. Aber seine Krankheit war unaufhaltsam, sie nahm ihm seine Fähigkeiten bis er völlig gefangen in seinem eigenen Körper war.
Vor einiger Zeit ist er verstorben. Nicht alleine denn seine Frau war da bis zum Ende.
Alles hat seine Zeit heißt es und doch ist es schwer. Schwer Abschied zu nehmen. Das leere Bett, die Ruhe, kein Sauerstoffgerät, dass ständig blubbert, kein Brot mehr schmieren, nichts organisieren und doch hatte alles seine Zeit.
Wenn wir Abschied nehmen dann tröstet es mich zu wissen, dass es nicht endgültig ist. Jesus hat denTod besiegt, am Kreuz. Und für jeden der das glaubt geht es weiter. Wir dürfen fest damit rechnen, dass wir uns wiedersehen werden. Das hat er uns versprochen und das ist tröstlich zu wissen. Mit unseren Glauben an Jesus Christus treffen wir zu Lebzeiten eine Entscheidung für die Ewigkeit.
Ich hoffe fest, dass Herr B diese getroffen hat.
