„Danke, dass Sie kommen. Ich brauche dringend Hilfe, kommen Sie rein“, sagt Frau Krall hastig. „Eigentlich hätten Sie schon viel früher kommen sollen.“
„Das Wohnzimmer ist links. Mein Mann ist auch da.“
Ich begrüße Herrn Krall und setze mich zu ihm an Esszimmertisch. Währenddessen redet Frau Krall vor sich hin.
Noch bevor ich etwas sagen kann, beginnt Herr Krall:
„Du redest wieder wie ein Wasserfall!“
„Dann mach doch deine Hörgeräte aus“, entgegnet sie.
Ich trete näher. „Lassen Sie uns einen Moment innehalten.“
Dann ist es still.
Ich wende mich an Frau Krall. „Was ist passiert?“
Sie erzählt mir vom Sturz vor ein paar Wochen und vom Krankenhausaufenthalt. Auch von den Schmerzen und davon, dass nichts mehr ist wie vorher.
Herr Krall wird unruhig.
„Ich kann es nicht mehr hören“, sagt er leise.
Ich sehe ihn an. „Es ist schwer, das immer wieder zu hören. Und nicht zu wissen, wie man helfen kann.“
Herr Krall schweigt.
„Es ist für Sie beide schwer“, sage ich.
„Und genau da,“ füge ich hinzu „wo wir an unsere Grenzen kommen, fängt etwas anderes an.“
Ich lasse den Satz stehen.
„In der Bibel heißt es:
‚Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; ich stärke dich, ich helfe dir.‘(Jesaja 41,10)“
Ich schaue sie an.
„Das ist kein schneller Trost. Es nimmt die Schmerzen nicht weg. Aber es bedeutet, Sie sind nicht allein damit. Nicht mit der Angst, nicht in der Erschöpfung und nicht in dem Gefühl, dass alles zu viel wird.“
Frau Krall hört still zu und weiß:
„Glaube heißt nicht, dass alles gut ist, sondern dass jemand da ist…mitten im Schweren.“
Ich stimme zu „Und vielleicht“, sage ich, „müssen Sie es nicht lösen. Vielleicht reicht es, es gemeinsam zu tragen. Und darauf zu vertrauen, dass Gott mitgeht. Schritt für Schritt, auch jetzt.“
Frau Krall nickt.
Herr Krall legt die Hände ineinander.
