Mein Mann vertraut Ihnen, weil Sie christliche Werte vertreten.

„Mein Mann möchte, dass nur Sie kommen.“

„Bitte verstehen Sie, ich würde Ihnen gerne helfen, doch sie wohnen zu weit entfernt – es ist unmöglich, dass ich komme“ sage ich bestimmt aber nett.

„Hören Sie doch, wir wollen Sie, ein anderer Dienst ist keine Option.“

„Aber Sie kennen mich doch gar nicht.“

„Mein Mann vertraut Ihnen, weil Sie christliche Werte vertreten.“

Damit hatte sie mich. Ich vereinbarte einen Termin und eine Woche später machte ich mich auf den Weg.

 

Noch immer fragte ich mich, warum gerade unser Pflegedienst die 20 Kilometer fahren sollte, nur um einen völlig Fremden zu beraten. Wirtschaftlich rechnete sich das nicht. Es war einfach eine gute Tat.

Angekommen, schließe ich mein Auto ab. Schon am Gartentor werde ich freundlich begrüßt – Frau Rose strahlt und bittet mich herzlich hinein. Sie läuft vor mir her, ihr Gang wirkt schmerzhaft, steif und unrund. Während sie geht, erzählt sie mir, dass sie dringend neue Hüften braucht, ihren Mann aber nicht allein lassen möchte.

Im Haus angekommen, setzen wir uns ins Esszimmer, und Frau Rose weckt ihren Mann.

Es ist 11 Uhr vormittags, er schläft noch? frage ich.

„Das macht die Krankheit“, erklärt sie. „Er ist schnell erschöpft und braucht viel Schlaf, um wieder Kraft zu sammeln.“

 

Dann öffnet sich die Tür, und Herr Rose kommt in den Raum.

„Danke, dass Sie gekommen sind“, sagt er sofort.

Mit einem Lächeln antworte ich: „Bei der Hartnäckigkeit Ihrer Frau hatte ich keine Chance, Nein zu sagen.“

 

In diesem Moment spüre ich es ganz deutlich:

Manchmal zeigt Gott uns durch Menschen, wo wir sein sollen.

Gott benutzt uns, um seine Aufträge auszuführen.

Ich bin gerne hier, nehme mir Zeit, höre zu und staune. Nicht nur über die Krankheit, sondern vor allem über das, was dieses Ehepaar ausmacht: ihre Werte, ihre Träume, ihre Dankbarkeit.

 

Hier beginnt eine Verbindung, die weit über Beratung hinausgeht.

Manchmal weiß man nicht, wie und warum, aber wenn man sich darauf einlässt, gewinnt man wunderschöne Augenblicke.

Nicht nur ich konnte Ehepaar Rose in den vielen Jahren unterstützen, auch sie haben mir neue Perspektiven geschenkt und mir in manchen Dingen Klarheit gebracht.

Ich freue mich, die beiden begleiten zu dürfen. Und wenn die Situation einmal ausweglos erscheint, dann falten wir die Hände und beten.

 

Wir beten zu Gott, der unseren Mangel sieht ein Gott des Überflusses, der unseren Becher bis zum Rand füllt und uns mit Gutem beschenkt.

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