„Wenn Hilfe nicht angenommen wird“
„Aber Sie sehen doch auch, wie es hier aussieht.“ Die Worte stehen im Raum. Nicht böse gemeint, eher fragend.
Ich rücke mich vorsichtig auf dem Stuhl zurecht, um nicht noch eine Flasche umzustoßen.
Die kleine Küche ist voll, übervoll.
Leere Kartons, alte Zeitungen, Flaschen…der Mülleimer quillt über. Es gibt kaum einen freien Platz.
Mir gegenüber sitzt ihre Tochter. Die Schultern hängend, der Blick geht nach unten.
Daneben die Mutter, barfuß und im Hauskittel sagt sie deutlich:
„Ich brauche nichts. Sie können gehen.“
Die Verwirrung der alten Dame ist deutlich zu spüren. Auch ihre Abwehr und I hre Angst vor Veränderung.
Ruhig erkläre ich, dass nichts ohne ihre Zustimmung geschieht und dass sie entscheidet.
Mein Blick geht zurück zur Tochter. Sie entschuldigt sie sich leise. Sie sei nur manchmal da.
Ich nicke und frage mich: Wie hält man das aus?
Jeder Vorschlag von mir prallt ab.
„Das brauche ich nicht.“
Ich spüre, wie es schwer wird.
Denn helfen kann man nur, wenn Hilfe angenommen wird.
Einen Moment sage ich nichts.
Dann kommt mir ein Wort aus der Bibel in den Sinn:
„Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, zu dem werde ich hineingehen.“ (Offenbarung 3,20)
Gott drängt sich nicht auf.
Er klopft an, leise und wartend.
Und vielleicht ist es hier genauso.
Ich kann anklopfen, anbieten, vorschlagen und Dasein.
Aber öffnen muss jemand anderes.
Der Gedanke nimmt mir ein wenig den Druck.
Ich muss diese Tür nicht aufbrechen.
Ich darf einfach da sein.
Also bleibe ich noch einen Moment sitzen.
Und vertraue darauf, dass Gott weiter anklopft auch dann, wenn ich längst gegangen bin.
